Hallo Hamburg!
Ich habe mir hier einen USB-Stick besorgt und hoffe, dass ich die Texte in meinen Blog kopieren kann.
Nach 2 Wochen in Tumbes habe ich mich eigentlich recht gut eingelebt. Dennoch gibt es immer noch so viele Eindrücke wenn ich durch die Straßen fahre oder laufe, dass mir oft mein Mund offen stehen bleibt.
Ein Beispiel ist der Verkehr hier. Es gibt zum einen eine Menge Motocarros. Das sind quasi Dreiräder, die durch ein Motorrad angetrieben werden. Das ganze sieht recht asiatisch aus. Man kann sich die Gefährte eher in Thailand, als in Peru vorstellen, dennoch gibt es super viele davon. Da sie aber nur ungefähr 40 Km/h schaffen, kreuz und quer fahren und oftmals auch nicht über Blinker verfügen, tragen sie schon mal zu einem großen Teil zum Chaos auf den Straßen bei. Die Dreiräder sind das billigste Fortbewegungsmittel. Man bezahlt für normale Strecken 1 Sol (weniger als 30ct), egal wieviele Menschen mitfahren (man kriegt schon 3 Erwachsene und 2 Kinder rein). Man könnte sie mit Taxen vergleichen. Das einzige Problem ist, dass sie auch nicht wirklich sicher sind. Jeder kann sich ein Moto kaufen und damit Geld verdienen. Niemand kontrolliert die Zulassung. Die Jungs an meiner Schule haben alle das Ziel sich ein Motocarro kaufen zu können. Eine anderes Ziel haben sie oft nicht. Wirklich viel verdient man aber nicht damit, da es wirklich eine Menge davon gibt!!
Mir wird immer wieder geraten NIE alleine in ein Motocarro zu steigen, da es schon oft vorgekommen ist, dass die Fahrer einen sonstwo hinfahren und einen dann berauben. Deshalb fahre ich immer mit meiner Arbeitskollegin zu meiner Arbeitsstelle und benutze die Motos nicht alleine.
Die „normalen“ Autos sind meistens uralte Schrottkisten, die bei uns nicht mal ansatzweise durch den TÜV kommen würden. Man muss aber dazusagen, dass sie wunderbar laufen! Vielleicht funktioniert das Abgassystem nicht mehr so perfekt, oder man kann das Fenster weder öffnen, noch schließen, aber das ist ja auch nicht wichtig – wichtig ist, dass sie fahren und ne Menge Menschen von A nach B bringen. Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine Familie ein Auto besitzt. Ich denke, dass wirklich nur die Reichen einen eigenen Wagen haben. Oder die, die wirklich einen für ihre Arbeit brauchen. In meiner Familie kann auch niemand Auto fahren! Für sie war es eine Überraschung, dass ich in Deutschland sowohl Autofahren kann, als auch dass unsere Familie ein Auto hat. Dass es üblich ist, 2 Autos zu besitzen habe ich gar nicht erst erwähnt… In Tumbes gibt es auch, soweit ich das bisher mitbekommen habe, keine Busse. Es gibt Autos, die wie Busse fungieren: Carros. Wie Buslinien haben sie bestimmte Fahrtwege, jedoch kann man ein und aussteigen wo man will. Hierfür bezahlt man pro Fahrt und Person von 0,50 bis 1 Sol. Weitere Strecken in die Vororte 2 oder 3 Sol. Die Carros sind eigentlich Gemeinschaftsautos. Irgendwie finde ich das ne ganz schön coole Sache. Man braucht nie auf den Bus zu warten, es ist immer in irgendeinem Carro Platz. Dank dieser Carros bin ich ziemlich flexibel. Wenn es sie nicht gäbe, könnte ich wahrscheinlich nicht alleine zu meiner Arbeitsstelle oder ins Zentrum fahren. Da Carros aber sicher sind, kann ich sie auch alleine benutzen ohne Angst zu haben ausgeraubt zu werden.
Der Verkehr ist absolut chaotisch! Es gibt keine Fahrstreifen und keine Haltelinien und keine wirklichen Verkehrsschilder. Ausserhalb der Hauptverkehrsstraßen hat der Vorfahrt, der als erster an der Kreuzung ist. Jeder fährt so schnell, wie es die Bremsen zulassen. Carros fahren Slalom um die Motocarros. Motocarros versuchen mit Handzeichen vom linken Fahrbahnrand an die rechte Seite zu kommen. Lastwagen verpesten die Luft mit Feinstaub. Und überall zwischendrin normale Motorräder. Die Carros hupen wenn sie an Motocarros vorbeifahren, um Bescheid zusagen und Unfälle zu vermeiden, Carros hupen, wenn sie Leuten am Strassenrand sehen, um sie mitzunehmen. Mitten drin auch die Strassenverkäufer mit Fahrrädern, die Obst verkaufen, oder Müllabholen. Fussgänger laufen einfach so über die Straße, auch wenn sie rot haben. Ach ja! Und Anschnaller gibt es meistens nur vorne in den Autos. Hinten habe ich bisher keine gefunden. Neulich sind wir die Familie meiner Mutter in einem Vorort besuchen gefahren. Ein normaler Kombi hat 9 Leute mitgenommen. 2 auf dem Beifahrersitz, 3 in der Mitte und nochmal 3 im Kofferraum!
Der Polizei ist das alles recht egal.
Für weitere Strecken gibt es die Langstreckenbusse. Je nachdem wieviel man bezahlt hat sind sie entweder normale reisebusse, so wie wir sie kennen (nur halt sehr viel älter), oder richtig komfortable Doppeldeckerbusse mit Ledersitzen, die sich auf ca 120 Grad zurückstellen lassen und Essen und trinken.
Sooo. Genug zur Verkehrslage hier in Tumbes. Es ist einfach unglaublich aufregend hier in die Welt reingeschmissen zu werden. Wenn ich durch die Strassen fahre kann ich mich irgendwie nicht sattsehen. Klingt irgendwie komisch, ist aber so. Die Läden und Strassenverkäufer. Die Häuser, der Verkehr. Die Wandmalereien (hier sind im Oktober wahlen angesetzt und jeder freier Fleck wird vollgepinselt mit Wahlwerbung). Kühe, die über die Strassen getrieben werden, nachmittags. … und sovieles mehr. Obwohl alles so anders ist, fühle ich mich auf jedenfall wohl. Ich kann nicht sagen, dass mich alles abstößt. Es ist nur einfach etwas schwer sich zurechtzufinden. Wenn ich eine Kleinigkeit, wie ein Handtuch brauche, muss ich ersteinmal fragen, wo ich es bekomme. Letzen Freitag habe ich mir Sportkeidung besorgen wollen. Natürlich konnte ich nicht alleine gehen, sondern bin mit meiner Gastschwester und ner freundin losgezogen. Zum einen musste ich ersteinmal erklären, was genau ich wollte, das haben die beiden irgendwie nicht so recht verstanden, zum anderen muss man das dan ersteinmal finden. Ich habe schnell von einer „normalen“ deutschen Sporthose abstand genommen. Ich besitze nun einen peruanischen Sportdress. ;) Wirklich mögen tu ich das Ding nicht (eine „Radlerhose“ in rot und blau). Aber ich bin im Trend, falle, zumindest was die Sportbekleidung angeht, nicht auf und passe mich der peruanischen Mode an! Worauf ich hinauswill ist, dass ich wie ein Baby lernen muss hier klarzukommen. Wo bekomme ich was, wo kann ich mein Carro nach Hause nehmen. Wieviel kostet ein Kilo Mandarinen. Wo kriege ich ne Zahnbürste. Es gibt nämlich fast keine Supermärkte und auch nur wenige sonstige Geschäfte, weil alles auf dem Großmarkt gekauft wird. Das ist ein riesiger Basar. Man kriegt wirklich alles dort. Es gibt eine fischsektion, Fruchtstände zwischen Schuh- und Klamottenständen, Elektrosachen, Schmuck, Drogerieartikel…. Spielsachen, etc etc. Die Gassen sind teilweise so eng, dass nur eine Person sich durchzwägen kann. Und die Sachen hängen sehr tief, sodass ich oft nur gebückt durchlaufen kann.
Ich habe durch Glück eine Fussballmannschaft gefunden! Einer meiner Gastonkel konnte mich an jemanden vermitteln, der in einer Frauenmannschaft spielt. Am Samstag war ich das erste mal beim Training. Es waren leider nur 5 Mädels da. (Begründung: Die Mädels mögen kein Training, sondern kommen nur zu den wichtigen Spielen….) Es war ein normales Training, mit einem supermotivierten Trainer, der aber seinerseits relativ große Probleme hatte, die Mädels bei Laune zu halten ;) Die Mädels haben technisch gesehen relativ wenig drauf, können aber tricksen und spielen. Samstag in 2 Wochen haben wir dann ein Spiel gegen eine andere Mannschaft aus dem Department Tumbes. Wer gewinnt vertritt das Bundesland Tumbes und spielt in Piura , der grössten Stadt im Norden, gegen eine andere Mannschaft. Wer dort gewinnt spielt in Lima. Wer dort gewinnt spielt um den Südamerikanischen Pokal. Es liegen also eigentlich nur wichtige Spiele an. Vergleichbar ist das ganze mit dem Pokal in Deutschland. Hehe. Klingt echt interessant! Der Trainer ist witzig und ich denke, dass ich von den Mädels was tricksen und spielen auch ne Menge lernen kann. Außerdem komm ich etwas rum, wenn ich mit der Mannschaft mit zu den Spielen fahre. Mal sehen!
Desweiteren geh ich ins Fitnesssutdio und mache Aerobic-Kurse mit. Ich muss dem fettigen essen etwas entgegensetzen, sonst komme ich als Kugel wieder;)
Am Samstag war ich mit meienr Gastschwester, Gastcousin und Cousine und Freunden von beiden weg. Es war witzig! Die Disko hat eine große Tanzfläche mit Tischen drumherum. Man sitzt also am Tisch und trinkt Bier oder Cocktails und ab und an wird man dann von den Männern in der Gruppe zum tanzen aufgefordert. Man tanzt eigentlich nur mit den Männern aus der eigenen Gruppe. Es ist nicht, wie in Argentinien üblich, dass auch andere fremde Leute einen auffordern. Da der Cousin aber einige freunde mitgebracht hat, habe ich viel getanzt! Ich mag die Musik immernoch sehr und auch das Paartanzen hat Spaß gemacht!
Diese Woche beginnt die wirkliche Arbeit in meinem Projekt. In der letzten Woche habe ich die Gruppen ein bisschen kennenlernen können. Wir haben ihnen Freizeit gegeben. Sie konnten sich die 3 Stunden so beschäftigen, wie sie wollten. Diese Woche machen wir aber schon richtige Unterrichtseinheiten, die sich mit den Mythen der Drogen befassen. Zum einen gibt es wieder eine Zeit, in der fussball gespielt wird oder Aerobics, zum anderen 1,5 lockeren „Unterricht“. Ich bin sehr gespannt wie die Jungs und Mädels das annehmen! Es ist sehr interessant die Jugendlichen kennenzulernen. Einige sind unheimlich still und sagen sehr wenig, ziehen sich zurück und sind eher passiv. Andere brauchen unglaubllich viel Aufmerksamkeit und sind laut. Meistens gibt es ein zwei Jungs die die ganze Gruppe beeinflussen. Die Mädels sind total zurückhaltend und auch schwerer zugänglich. Bis jetzt macht mir meine Arbeit wirklich Spass, leider hab ich nicht wirklich viel zu tun, weil wir bis jetzt nur 3 Stunden am Tag in der Schule sind. Aber da kann man mit Eigeninitiative noch viel machen.
Soooo. Genug geschrieben für heute!
Hasta luego
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