Hallo Deutschland!
Ich sitz gerade im dunkeln in meinem Zimmer – der Strom wurde mal wieder abgestellt. Irgendwie passiert das diese Woche öfters, es ist immerhin schon das dritte Mal, dass wir keinen Strom haben. Komischerweise stellen sie ihn nämlich immer abends ab, wenn es schon dunkel ist! Haben eben im Kerzenlicht zusammen gegessen und ein bisschen geredet, mein Gastvater hat auch einige Gruselgeschichten rausgeholt, viele hier glauben an Geister, Zwerge und anderes Übernatürliches… Aber Trotzdem ist der größte Teil der Peruaner auch gläubig. Auch wenn es um den regelmäßigen Kirchenbesuch nicht so gut bestellt ist.
Irgendwie kommt diese Woche alles auf einmal. Da in unserem „Badezimmer“ die Wände gefliest werden, haben wir keine Dusche. Der Zement muss nämlich austrocknen. Seit letztem Mittwoch „dusche“ ich also mit einem großen Wasserkübel, aus dem ich Wasser schöpfe und über mich gieße, Erfüllt im Endeffekt auch seinen Zweck ist aber natürlich umständlich.
Ein anderes Problem stellen die Mücken dar. Diese kleinen Blutsauger bringen mich noch um. Obwohl ich am Freitag eine Jeans und geschlossene Schuhe anhatte haben sie mich wieder vollkommen zerstochen. Da hat auch der Antimückenschutz nicht geholfen. :(
Ich wollte mal ein bisschen was zum Essen berichten: Zu allererst muss man sagen, dass ich wirklich nur vom essen hier aus Tumbes reden kann. Peru hat eine Menge Varietäten, jeweils abhängig von der Region. Hauptbestandteile des Essens sind Reis und Meeresfrüchte. Zu jedem Essen wird Reis gereicht. Ich wusste bis vor einem Monat gar nicht, dass man in Peru Reis anbaut, aber dem ist wirklich so! Wenn man aus Tumbes City herausfährt, kommt man an etlichen Reisfeldern vorbei! Der Reis wird irgendwie anders gekocht, als in Deutschland. Zumindest ist er wirklich sehr schmackhaft und ich kann bis jetzt jede Mahlzeit wieder mit Appetit zulangen. Das gleiche kann ich aber leider nicht mehr über den Fisch sagen. Es gibt sehr sehr oft frittierten Fisch. Und irgendwie hängt dieser mir nun schon ein bisschen zum Hals raus. Am Wochenende gibt es zwar auch Fleisch (meistens Trockenfleisch, Hühnchen oder Ziege), unter der Woche kommt es aber schon 2 oder 3 mal vor, dass es frittierten Fisch gibt. Hmm… Bin ich nicht so der Fan von. Nun gut. Aber abgesehen vom Fisch gibt es jede Art von Meeresfrüchten. Kalamares, Schnecken, Muscheln, Scampis, Krebse, Krabben, Hummer. Alles!
„Chicharron de Pescado“ nennt man Meeresfrüchte paniert frittiert, serviert mit Cremas (mayo, aji, sehr scharf Chilli) und ner Menge Zwiebeln. Zwiebeln dürfen bei einem guten peruanischen Essen sowieso nicht fehlen…
DIE Spezialität von Tumbes ist aber Ceviche. Roher Fisch, der mit Zitrone und Zwiebeln und natürlich ají zubereitet wird. Schmeckt gut, ich kann aber bisher noch nicht soo viel davon essen, da meine Zunge nach ein paar Bissen anfängt zu brennen wie Feuer!
„Cavrito“ wird hier immer Sonntags gegessen. Ein Eintopf mit Ziegenfleisch, serviert mit Reis.
„Sudado de Pescado“ oder „Parihuela“ sind Suppen, die mit Fisch oder Hummer gekocht werden und einen sehr intensiven Geschmack haben. Sehr intensiv, weshalb ich es bis jetzt noch nicht sooo gerne esse.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil peruanischer Küche ist die Banane. Obwohl ich nicht die uns bekannte gelbe Banane meine, sondern eine grüne, mir vorher nicht bekannte Sorte. Mit dieser kann man Fladen, sogenannte „Patacones“ zubereiten, „Chifles“, Hauchdünne Bananenscheiben, die eigentlich wie Kartoffelchips schmecken, eine Speise mit Trockenfleisch, die ein bisschen schmeckt, wie Bratkartoffeln mit Speck, süße Beilagen…. Ne Menge!
„Pollo a la brasa“ ist Brathändel. Sehr sehr lecker, wenn es gut zubereitet ist. Man isst es nur mit Salat und Pommes. Mehr gibt es in den Restaurants, die Pollo anbieten dann auch gar nicht. Salat, Hühnchen und Pommes: Fertig.
Jedes Essen wird begleitet mit irgendeinem Süßkkrams, wie Cola, Fanta oder Sprite. Kein Wunder, dass diese Getränke bis zu Flaschengrößen von 3 Litern und mehr verkauft werden! Peruaner lieben limonaden! Besonders natürlich ihre(!) Inka Cola. Das Getränk schmeckt nach aufgelösten Gummibärchen mit Kaugummi und sieht auch so aus: Quiiiietschgelb.
Zum Mittagessen gibt es alternativ oft die sogenannten „Refrescos“. Das Sind Fruchtgetränke, saftähnlich aber doch verschieden. „Chicha morada“ wird aus irgendeiner mir bislang unbekannten Frucht hergestellt, sieht aus wie Wein und hat einen sehr eigenartigen süßen Geschmack. Refrescos gibt es eigentlich von allen Früchten. Nektar mit Wasser verlängert. Witzig finde ich, dass die Peruaner die Getränke, die sie irgendwo unterwegs kaufen, in Plastikbeuteln und Strohhalmen trinken! Oder am Plastikbeutel eine kleine Ecke abbeissen und so das Getränk herausnuckeln. ;) „Refrescos“ werden stets frisch hergestellt und somit auch nicht in Flaschen verkauft!
Die Zeit vergeht und es gibt immernoch soo viel neues für mich. Am Freitag bin ich mit Paola und ihrer Mutter an die Grenze gefahren. Ich wollte eigentlich nur eine Hose kaufen, bin aber an der Fülle der Stände und der Ware gescheitert. Das hat mich alles ein bisschen überfordert. Sowohl auf der peruanischen, als auch auf der ecuadorianischen Seite der Grenze hat sich eine art Verkaufs-Stadt angesiedelt, die mit einem Einkaufscenter zu vergleichen wäre, nur halt auf simplere Weise. Wie ein riesiger Basar, bestehend aus kleinen Ständen. So eine Fülle an angebotenen Waren habe ich bisher noch nie gesehen. Ein Fleischstand neben einem Holzstand, ein Unterwäschestand neben einem Uhrenstand. Überall kleine Wechselstuben, bestehend aus einem Stuhl und einem Tisch, einem Taschenrechner und einer „Kasse“. Wow. Eindrucksvoll! Viele Dinge sind auf der ecuadorianischen Seite billiger. Deshalb fahren die Tumbesinos des öfteren mal rüber und kaufen ein. Mit meiner Hose hat es mehr oder weniger geklappt. Ich musste leider feststellen, dass die Mode der Peruanerinnen meiner Körpergröße nicht so ganz entspricht. Entweder es gibt ultraenge caprijeans oder radlerhosen in den grellsten tönen… Oder mir missfielen die Sachen, oder sie haben nicht gepasst. :( Der Ausflug hat sich aber wirklich gelohnt und ich werde demnächst nocheinmal in Ruhe hinfahren und bummeln.
Wir sind dabei im Haus Internet einzurichten. Leider gestaltet es sich mehr oder weniger schwierig. Erst wollten wir jemanden arrangieren, der uns in Drahtlosnetze einhackt. Hat aber nicht geklappt. (find ich auch nicht schlecht!). Jetzt haben wir uns 50 m Kabel gekauft und teilen den Internetanschluss mit einer Nachbarin. Nur das installieren klappt noch nicht so ganz. Aber ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen läuft! :)
In meinem Projekt läuft es zur Zeit leider eher durchwachsen. Nach wie vor gefällt mir die Idee des Projektes und an sich macht mir die Arbeit auch Spaß. Es ist nur wirklich kompliziert! Paola und ich hatten uns bis jetzt eigentlich immer gut organisiert – auf dem Papier. Alles was wir uns so überlegt haben, hat aber im Endeffekt nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Beispielsweise wollten wir am Mittwoch eine Gitarrenstunde organisieren mit dem Koordinator des Projektes. Dieser musst dann aber leider kurzfristig absagen. Leider hatten wir aber keine alternative Planung für den Tag und wir mussten uns etwas aus den Fingern ziehen. Ich hatte die Idee den Jugendlichen (ich nenn sie ab jetzt „Chicos“) Völkerball beizubrigen und sie haben es auch wirklich verstanden. Leider fanden sie das Spiel nicht so prickelnd. Einer nach dem anderen murrte rum und im Endeffekt haben wir nach ner viertel Stunde wieder aufgehört. Dann haben wir ein Tischtennisturnier organisiert. Die eine Woche waren alle begeistert, haben Teams gebildet und sich gefreut. Am Mittwoch wollten wir dann die ersten Spiele austragen. Zum einen waren die Hälfte der Teams nicht da, zum anderen wollten plötzlich einige nicht mehr an dem Turnier teilnehmen, was meine komplette Organisation wieder über den Haufen geworfen hat. Paola und ich versuchen so gut wie möglich das anzubieten, was den chicos auch geällt, wo sie sich einbringen wollen, was sie gerne machen. Schwierig, da sich fast keiner direkt dazu äußert, was sie interessieren würde und worauf sie Lust haben. Wenn man dann wirklich viel Energie in die Organisation der Tage steckt und man NICHTS wiederbekommt an Feedback oder Mitarbeit dann zieht einen das schon runter und man verliert schnell die Motivation. Man braucht aber Motivation, um weiterzumachen! Das muss man halt lernen. Ich bekomme derzeit viele einzelschicksahle mit. Familiäre Probleme sind an der Alltagsordnung. Ein Beispiel: Viele der Jugendlichen in der Gegend der Schule sind es mittlerweile schon gewöhnt geschlagen zu werden, wenn sie etwas falsch machen. Sie verspüren deshalb auch keinen Schmerz mehr, es ist vollkommen normal! Es gibt an der Schule ein 16 jähriges Mädchen, das im 6. Monat schwanger ist und deren Eltern davon bislang nichts wissen. Zum einen, weil es ihnen nicht aufzufallen scheint, zum anderen weil sie sonst den Vater des Kindes garantiert bedrohen und fertig machen würden. All diese Einzelschicksale gibt es zu ergründen. Zwar sind weder Paola noch ich ausgebildete Psychologen, dennoch zählen auch psychologische Dinge zu unserer Arbeit. Schwierig ist es, den Kompromiss zwischen strenger Gruppenleiterin, die für Ordnung in den Aktivitäten sorgt, und Vertrauensperson zu finden, die ein offenes Ohr hat und der auch persönlichere Dinge anvertraut werden. Denn auf letzteres kommt es eigentlich an.
Man muss wirklich jede einzelne Aktion überprüfen, da man ein unglaubliches Vorbild für die Jugendlichen ist. Wenn man sich einmal falsch verhält, kann es einen später bei der Arbeit wieder einholen: „Aber diesen einen Tag, da hast du auch dies und das. Wieso denn jetzt plötzlich doch so und so?“
Wie ihr seht, lerne ich jeden Tag vieles Neues. Wie habe ich mich in bestimmten Situationen zu verhalten, wie sind die Verhältnisse, ich lerne vieles über mich dazu, natürlich die Sprache.
Ich bin gespannt, wie ich mich hier verändern werde und ob und wie stark!
Leicht nachdenklich verabschiede ich mich heute von euch und freue mich über Nachrichten aus dem fernen Deutschland!!!
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