Donnerstag, 7. Oktober 2010

DIes und das

Buenos dias°!
Seit meinem letzten Blogeintrag ist viel Zeit vergangen. Mir fällt auf, dass die Zeit nur so vorbeifliegt! Das mag wohl vor allem daran liegen, dass ich mittlerweile einen festen Alltag habe:
Dienstags und Donnerstags arbeite ich nachmittags von 3 bis 6, Mittwochs und Freitags von 8.30 bis 11.30. Montags haben wir derzeit keine Gruppe, ich gehe aber wohl immer mit zur anderen Schule, damit ich auch etwas zu tuen habe.  Wenn ich nachmittags arbeite stehe ich meistens um 7 auf, hole mein Frühstück und schaue währenddessen ein wenig Nachrichten auf Deutsche Welle TV, um 8 geht’s los zur Arbeit. Mittags komme ich meistens vollkommen zerschlagen nach hause, auch wenn es „nur 3 h“ sind, rauben sie mir ziemlich viel Energie und es kommt des Öfteren vor, dass ich nach dem Mittag essen ein kleines Mittagsschläfchen halten muss. ;) An den freien Nachmittagen treffe ich mich viel mit Saskia und Lucas, wir gehen oft ins Zentrum, bummeln ein wenig rum oder gehen etwas trinken. Viel mehr kann man in Tumbes leider auch nicht machen. Obligatorisch sind Spaziergänge über den „Plaza de armas“. Diese wirklich schönen Plätze gibt es in jeder Stadt und in jedem Dorf. Hier liegen oder lagen die wichtigsten Gebäude, wie Kirche oder Kaserne dran und es ist DER Ort zum sehen und gesehen werden. Freitags gibt es ein Kulturprogramm, bei dem Kinder aus verschiedenen Schulen Tänze und andere Vorstellungen geben. Jetzt in der Wahlzeit wurden fast täglich Wahlpartys abgehalten. Es kam oft vor, dass der Platz aus allen Nähten platzte!!
Abends gehe ich 3 mal die Woche ins Fitnessstudio und absolviere ein Aerobic-Geräte-Programm – gemeinsam mit 7-9 peruanischen Frauen. Eine bunt durchgemixte Truppe von jung bis alt. Natürlich haben alle ihre obligatorischen Radlerhosen in den grellsten aller grellsten Farben an, einige ziehen sich dann zusätzlich noch eine blaue Schärpe um die Hüfte an, die soll wohl helfen eine schöne Taille zu bekommen…;) Ab und an gehe ich mit Saskia in der Stadt in ein anderes Fitnessstudio, wo die aerobicübungen zusätzlich noch mit Tanzschritten kombiniert werden. Ein bisschen Kampfkunst ist auch dabei, es wird zur Musik von Mission impossible hin und hergeschlichen, zu Schwanensee gedehnt und zu Salsamusik umher gewirbelt. Ein riesen Spaß! Obwohl ich nach 15 Minuten knallrot anlaufe und schon dran denke mich nach Hause zuschleichen weil es so anstrengend ist! Leider ist das Studio recht weit weg, sodass ich höchstens 2 Mal die Woche mitgehe.
An den restlichen Tagen habe ich den Vormittag frei. Meistens steht man dann um ca. halb 8 auf, auf Gisell und mich wartet dann die Reinigung des Restaurants. Da die Häuser hier keine wirklichen Fenster haben, sondern nur Mückennetze, kann der ganze Staub ungehindert ins Haus kommen. Man kann eigentliche jeden Tag fegen und bekommt jeden Tag aufs Neue einen riesen Haufen Dreck und Schmutz zusammen. Unglaublich! Meine Aufgabe ist bei der Reinigung aber nicht das fegen und wischen (bin ich auch ganz glücklich drüber), sondern das waschen der Tische und Stühle. Also zück ich Eimer, Wasser, Lappen und Waschmittel und mach mich dran ungefähr 20 Tische und 80 Stühle zu waschen. Was da für ein Dreck zusammenkommt jeden Tag ist auch unglaublich! Anschließend wasch ich dann noch die Gläser, übrigens mit einem interessanten System: 2 Eimer, einer mit Wasser und Waschmittel, einer mit klarem Wasser. Dann wird das Glas per Hand im Waschmitteleimer gewaschen und anschließend im klarem Wasser vom Waschmittel befreit. Abgetrocknet wird grundsätzlich überhaupt nichts. Alles wird nass gestapelt, nass ins Regal gestellt und nach dem Abwischen nass hinterlassen. Gewöhnungsbedürftig!

Am Wochenende versuche ich mir größere Dinge vorzunehmen, um nicht den ganzen Tag im Restaurant zu hängen. Auch wenn in der „Rush hour“ von 2-4 die meisten Leute im Restaurant sind und vorher und danach fast niemand, muss immer jemand unten sein und bedienen. Bei einem besetzten Tisch, langweilt man sich jedoch zu Tode!  Diesen Samstag hat Afs einen Ausflug organisiert. Zuerst geht’s zu irgendwelchen warmen Quellen, wo man sich im Schlamm  baden kann. Anschließend an den Strand zum campen. Ich bin sehr gespannt, ob wir es noch hinkriegen das alles richtig zu organisieren. Bis jetzt haben wir glaube ich 2 Zelte – wir sind jedoch um die 25 Leute! Außerdem campen wir auf keinem Campingplatz, sondern irgendwo. Wasser und sanitäre Anlagen gibts da wohl eher nicht;) Abenteuer! 
Das Wochenende drauf besuche ich ein paar Afs Mädels in Trujillo, der nächsten richtig großen Stadt, ungefähr 900 Km südlich auch an der Küste. Der Fahrtpreis beträgt ca. 20 Euro hin und zurück im Bus, jeweils 12 h.
Am Sonntag waren die langersehnten Wahlen. Seitdem ich Mitte August angekommen bin, steigerte sich das Land in einen regelrechten Wahlrausch hinein. So waren am Anfang erst ein paar Wände mit Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters, bzw. Präsidenten der Departments bepinselt, bis am Ende jedes kleinste Fleckchen vollgemalt war. Jedes Auto war übersät mit Stickern und einige hatten sich extra Farbe gekauft, um auch ihr Auto zu bepinseln. Die Stadt war übersät mit Plakaten, im Fernsehen gab es Pausen in den Telenovelas, wo Wahlwerbung gezeigt wurde, jeden Tag zogen mehrere Karawanen von Motorikschas, Lastwagen und Menschen durch die Stadt, hupten wie wild, schrien Parolen und verteilten Flugblätter, die Wahlpartys im Zentrum auf den verschiedenen Plätzen habe ich ja schon kurz erwähnt. Es ist aufgefallen, dass es unheimlich viele Kandidaten gab, was es für mich total unübersichtlich gemacht hat, zu verfolgen, wer jetzt eigentlich wirklich wichtig ist. Außerdem hat niemand ein wirkliches Profil, dass ihn von den anderen Kandidaten unterscheidet. Ein großes Thema für alle ist aber die Korruption, die hier wirklich immens ist! Der jetzig e Bürgermeister beispielsweise wird der Korruption bezichtigt, ist aber dennoch wieder in die zweite Wahlrunde gekommen. Man wählt auch meistens den, den man von irgendwoher kennt und zu dem man irgendwelche Beziehungen hat. Somit kann man hoffen später Vorteile aus seiner Wahl zu erhalten. Es geht immer nur um die eigenen Vorteile und um Geld. Wirklich langfristig auf das Wohlergehen des Staates Peru, bzw. der Provinz Tumbes, wird kein Wert gelegt.
In die Stichwahl für den Regionalpräsidenten sind 2 Männer gekommen. Der eine ist der der zur Zeit amtierende Präsident, der andere eine neue Personalie. Es wird gespannt auf die Stichwahl im November gewartet! Ich persönliche warte ebenfalls gespannt auf das Ergebnis, da das Projekt von Saskia nicht weitermachen können wird, wenn nicht der jetzige Präsident gewinnt. Dann wird dem Projekt nämlich der Geldhahn zu gedreht und die 20 Mitarbeiter stehen auf der Straße. So schnell kanns gehen!

Das Wetter ist immer noch launisch. Zwei Tage lang kann es richtig knackig heiß sein, die Sonne brennt dann nur so herunter. Dann schwingt das Wetter plötzlich um und man kann mit langer Hose und langärmelig unterwegs sein und trotzdem noch frösteln, besonders nachts. Alle warten auf den Frühling, wo es dann recht schnell richtig heiß werden soll! Ich habe ehrlich gesagt auch ein bisschen Angst davor, denn die heißen Tage sollen im Vergleich zum Sommer noch gar nichts sein… :o
Sooo. Ich werde euch bald nocheinmal ausführlicher von der Struktur meines Projektes schreiben. Letzte Woche waren Vertretet des Mutterprojektes „DEVIDA“ aus Lima zu Besuch und ich habe einen genaueren Einblick in die Strukturen erhalten. Es war ein sehr interessantes Treffen! Sie haben unsere Arbeit gelobt, was uns sehr gefreut hat! :)

Ich hoffe, dass ich euch nicht mit meinen Romanen gelangweilt habe! Lasst etwas von euch hören! Da ich ja jetzt Internet habe, wird die Kommunikation um einiges leichter werden :)

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